Biwakieren in den Bergen

Eine Nacht in der freien Wildnis, der frischen Luft der Berge verbringen? Abendrot, Sonnenuntergang und klaren Sternenhimmel erleben? Am nächsten Morgen von der Sonne geweckt werden?


Da wacht die Abenteuerlust eines jeden naturliebenden Herzens auf. Warum nicht einmal das gewohnte Ruhebett unbenutzt lassen und in der wunderbaren Natur biwakieren?
Dieser Bericht zeigt dir auf, wie du das durchführen kannst.

Wie alles beginnt: die Vorbereitungen

In der Abgelegenheit der Natur zu biwakieren erfordert eine gute Vorbereitung. Da muss ein geeigneter Biwak-Platz gefunden, an die Wasserversorgung gedacht, das geeignete Material zusammengestellt und für genügend und sinnvolle Verpflegung gesorgt werden. Führe am besten dein Abenteuer schon einmal in Gedanken von Anfang bis Ende durch und dir werden dabei viele Dinge in den Sinn kommen, an die du denken musst. Welche Kleider könnten mir nützlich werden? Wie erledige ich die Toilette? Was lässt sich am besten Kochen? Wie viel Zeit brauche ich für Anweg und Aufbau des Zelts? Wie kann ich alarmieren, wenn etwas passiert? Wie wird das Wetter? Wie transportiere ich meine Ausrüstung?

Folgend eine kleine Packliste, was du alles dabei haben solltest:

- 2 Militär-Plachen, min. 12 Zeltstangen und 2 Zeltschnüre
- Abdeck-Plastik für auf den Boden
- Schnur
- Sackmesser
- Taschenlampe + Ersatzbatterie
- warmer Schlafsack + Mätteli
- Reserve-Kleider
- genügend Proviant + Trinkbares
- WC-Papier
- kleine Apotheke + persönliche Medikamente
- Sonnencréme je nach Höhe und Wetter
- Handy

Wie du siehst, gibt es einen ganzen Haufen einzupacken und vorzubereiten. Wichtig ist auch, dass du das ganze wasserdicht verpackst, denn mit nassen Kleidern, Schlafsack usw. ist es nicht angenehm zu übernachten.
Natürlich nimmst Du, wie auch sonst bei Bergtouren, jemand mit der sich in den Bergen auskennt und bereits Erfahrung hat. Vergesst nicht einem Angehörigen mitzuteilen, wohin ihr geht.

Start ins Abenteuer: Die Wahl des Biwak-Platzes

Biwak-Platz
Biwak-Platz

Nun kann es endlich losgehen. Als erstes müsst ihr euch einen sicheren und angenehmen Platz aussuchen. In den Bergen können sich spontan oder durch Tiere Steine lösen und zu lebensgefährlichem Steinschlag werden. Daher sollte euer Zelt sicher nicht unter Geröllhängen oder lockerem Fels stehen. Schau Dir die Hänge und Wände gut an. Du siehst die Gefahr zum Teil auch Deiner Umgebung an. Wenn z.B. in einer schönen Matte lose Steine herumliegen, sind diese mit grosser Wahrscheinlichkeit von weiter oben hinuntergekommen und es ist gut möglich, dass noch mehr kommen. Sicher auch keine gute Idee ist es, direkt in oder an einem Bachbeet zu lagern, denn ein harmloses Bächlein kann bei Gewitter schnell einmal zu einer reissenden Flut werden. Auch unter frei stehenden Bäumen kann es natürlich bei Blitz und Donner gefährlich werden. Ganz klar: Bei Gewitterrisiko geht man nicht freiwillig biwakieren. Sucht euch also z.B. einen Platz an einem freien Hügel, nach Möglichkeit einigermassen eben und weich. Bevor ihr mit dem Aufbau des Zelts beginnt, räumt ihr Äste, Kiesel-Steine oder ähnliches Material vom Boden weg.

Erst die Arbeit, dann das Mätteli

Schritt 1
Schritt 1

Es gibt manche Variante von Zelten, die ihr aufbauen könnt. Hier ist die einfachste, das Firstzelt beschrieben, welches sich mit nur zwei Plachen erstellen und von zwei Personen benutzen lässt.
Überlegt euch, in welcher Richtung ihr das Zelt aufstellen wollt. Empfehlenswert ist darauf zu achten, dass ihr nicht quer im Hang liegen müsst. Aber auch die Windrichtung kann ein Kriterium sein, denn danach richtet sich auch der Niederschlag. Verknüpft die zwei Plachen zusammen und legt sie in der gewünschten Richtung hin. Achtet darauf, dass das Regenwasser beim Übergang der Plachen wie über ein Ziegeldach ablaufen und nicht hineinfliessen kann. (Um die Bilder zu vergrössern darauf klicken)

Schritt 2
Schritt 2

Steckt nun je zwei Zeltstangen ineinander. Sie werden zu den Grundpfeilern des Zelts und werden in den Boden gesteckt. Die Plachen werden in der Mitte der beiden langen Seiten auf den Pfeilern fixiert. Dazu dient z.B. ein Ästchen, welches durch die Löcher der Plachen in die Stangen gesteckt wird. Die beiden Pfosten werden mit Zeltschnüren gegen aussen gespannt. Die Zeltschnur wird mit am Boden mit einer einzelnen Zeltstange befestigt.

Schritt 3
Schritt 3

Danach kannst Du die Plachen auf beide Seiten hin strecken und mit Stangen am Boden fixieren. Zusätzlich kann man auch noch in der Mitte der Plachen auf halber Höhe des Zelts Stangen anbringen.

Schritt 4
Schritt 4

Schritt 6
Schritt 6


Bei feuchtem oder gar nassen Boden ist es sehr empfehlenswert, ein Abdeckplastik auf den Boden zu legen.Somit bleibt der Schlafsack und alles trocken, auch wenn man ab dem Mätteli rutscht. Wichtig ist, dass das Plastik nicht über die Zeltränder rausschaut, denn sonst wirkt dies wie ein Auffangbecken für den Regen. Zudem kann man die Ränder des Plastiks noch aufrollen, was Wasser und Ungeziefer den Zugang erschwert. Nun könnt ihr Mätteli und Schlafsack ausbreiten und es euch bequem für die Nacht einrichten.

Nach dem Zähneputzen: Der warme Schlafsack

Bezüglich Pyama ist es sinnvoll sich nicht schon zum Voraus zu warm anzuziehen. Lege dir aber ein paar Kleidungsstücke bereit, die du zusätzlich ohne lange zu suchen anziehen kannst, wenn du kalt bekommst.

Müde von all dem Aufstellen und Einrichten wirst du sicher rasch einschlafen und schon bald wird dich der goldene Morgen in seiner wunderbaren Natur begrüssen.

Zum Schluss noch die Antwort auf zwei häufig gestellte Fragen:

Wie erledige ich die Toilette?

Für das kleine und grosse Geschäft halte einen Abstand von mindestens 50 Metern zu den nächsten Gewässern. Stuhl solltest Du entweder vergraben oder mit grossen Steinen zudecken. Papier sollte eigentlich geräumt oder verbrannt werden. Es erklärt sich von selbst, dies an einem Ort zu tun, wo normalerweise niemand durchtrampelt.

Darf man das überhaupt?

Diese Frage ist berechtigt und ist von Kanton zu Kanton und Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich geregelt. Klar ist, dass in Jagdbann-, Wild- und Naturschutzgebieten jegliches Campieren verboten ist.
Ansonsten gilt laut dem SAC: "Ausserhalb von Schutzgebieten und ohne explizite behördliche Verbote ist rücksichtsvolles Campieren oder Biwakieren im Gebirge oberhalb der Waldgrenze in der Regel unproblematisch, mindestens wenn es sich um eine einzige Übernachtung einer kleinen Anzahl Personen handelt."
Wenn du die Möglichkeit hast, hole dir auch die Erlaubnis des Bergbauern oder des Landbesitzers ein. Verhalte dich ruhig und nimm Rücksicht auf Tiere, besonders in der Dämmerung. Räume schon am Abend allen Abfall zusammen und hinterlass nichts als deine Fuss-Spuren.

Zu guter Letzt...

...wünsche ich dir viel Freude beim hautnahen Erleben und Beobachten von Gottes wunderbar geschaffener Natur!

 

Copyright ©: Fotos und Text: Andreas Beyeler, 2008